Wir über uns
Gehörlosenseelsorge - Gehörlosengemeinde?
Anders als der Name vermuten lässt, ist die Gehörlosenseelsorge keine Einrichtung, die einer bestimmten Gruppe von Menschen mit Behinderung in ihrer dauerhaft eingeschränkten Lebenssituation begleitet. Sie versteht sich vielmehr als Gemeinde der Gehörlosen.
Obwohl Gehörlose durch das Fehlen des Hörsinns natürlich behindert sind, verstehen sie sich nicht in erster Linie als Menschen mit Behinderung, sondern als Mitglieder einer sprachlichen Minderheit. Im Gegensatz zu den anderen sprachlichen Minderheiten, sind Gehörlose aber nur sehr eingeschränkt in der Lage, an der Kommunikation der sprachlichen Mehrheit teilzunehmen.
Sprache der Gehörlosen
Die Gehörlosengemeinde benutzt in ihren Gottesdiensten und Veranstaltungen die deutsche Gebärdensprache (DGS) als Kommunikationsmittel.
DGS ist eine eigenständige Sprache, die sich Grammatik und Vokabular von der deutschen Lautsprache unterscheidet. Obwohl Gebärdensprache schon in der Antike erwähnt wird, ist die DGS in der heutigen Form eine junge Sprache (erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts haben Gehörlose ihre Kommunikation als eigenständige Sprache entdeckt). Verglichen mit der deutschen Lautsprache, ist sie einer rasanten Fortentwicklung unterworfen. Für den (hörenden) Anwender erfordert das eine dauerhafte Übung.
Besondere Probleme
Immer wieder treten für Gehörlose spezifische Probleme auf, die aus ihrer Kommunikationsbehinderung resultieren. Ihre (zum Teil stark) eingeschränkte Lauchsprachkompetenz behindert auch die Kommunikation mit Ämtern, Behörden, Ärzten und auch dem hörenden Umfeld (auch in der eigenen Familie). Manche Probleme können durch Gebärdensprachdolmetscher behoben werden – auf absehbare Zeit herrscht aber ein Mangel an kompetenten, Vollzeit arbeitenden Dolmetschern.
Die Gehörlosenseelsorge müht sich immer wieder, bei der Lösung der Probleme zu helfen. Vor allem Beratung im Familienbereich und bei Konflikten mit Nachbarn wird immer wieder in Anspruch genommen. Aber auch die schnelle Übersetzungshilfe bei Behördenbriefen oder nach dem Arztbesuch ist immer wieder notwendig.
Gottesdienst
Der Gottesdienst der Gehörlosen findet in der Regel am vierten Sonntag im Monat im Gemeindezentrum Tenever der Evangelischen Trinitatisgemeinde Bremen statt.
Er unterscheidet sich von "normalen" Gottesdiensten hauptsächlich dadurch, dass er in Gebärdensprache gehalten wird. Außerdem gibt es im Gehörlosengottesdienst keine Musik. Die "gehörlose Alternative" dazu sind die Gebärdenlieder: Chorisch werden Texte in besonders ansprechender Form gebärdet. Diese Kultur steckt noch in den Kinderschuhen, zeigt aber schon einige ansehnliche Ergebnisse.
Im Anschluss an den Gottesdienst kommen alle zu einer Kaffeetafel zusammen. Hier ist die Gelegenheit, in Ruhe miteinander zu Plaudern oder auch kurz Probleme abzuklären. Für viele Gehörlose ist diese Kaffeetafel eine der wenigen Möglichkeiten, entspannt mit anderen Gehörlosen oder auch mit Hörenden in Gebärden zu kommunizieren.
Presseclub
Gehörlose haben oftmals große Probleme, Informationen zu bekommen. Das Radio fällt für sie völlig aus. Aus dem Fernseher bekommen sie nur die Bilder. Die Untertitel stehen oft nur kurze Zeit und geben viel weniger Informationen weiter, als der gesprochene Text. Zeitungen sind für Gehörlose in einer Fremdsprache geschrieben, denn ihre Muttersprache ist die Gebärdensprache.
Der Presseclub soll den Informationsrückstand ein wenig aufholen. Zur Zeit findet er einmal im Monat statt. Informationen aus Zeitung und Fernsehen werden in Gebärdensprache vervollständigt und vertieft.
KonfirmandInnen-Unterricht
Wie in jeder "normalen" Gemeinde, gibt es auch in der Gehörlosengemeinde Konfirmandenunterricht. Zwei bis fünfzehn Jugendliche nehmen am Unterricht in der Schule teil. Der Unterricht findet in Gebärdensprache statt.
Die Themen sind wohl dieselben, wie auch im Unterricht der Hörenden. Mit dem Unterschied der Sprache und natürlich dem Verzicht auf Musik.
Die Konfirmation ist nach etwa eineinhalb Jahren Unterricht in der Evangelischen Trinitatisgemeinde Bremen unter reger Beteiligung von Hörenden und Gehörlosen.
Kaffeetreff
Kaffeetreff bedeutet: Gemütlich zusammensitzen und plaudern. Plaudern heißt für Gehörlose mit Gebärden kommunizieren.
Dieser Treffpunkt ist vor allem für die Gehörlosen wichtig, die allein wohnen und keine gehörlosen Freunde in der Nähe haben. Hier können sie sich unterhalten, ohne immer angestrengt auf den Mund des Gesprächspartner sehen zu müssen.
Mini-Wandertreff
Weite Strecken können viele der älteren Gehörlosen nicht mehr laufen - aber eine kleine Wanderung macht allemal noch Spaß. So treffen wir uns einmal im Monat zu Mini-Wanderung an einer Haltestelle der Bremer Straßenbahn.
„Erfunden“ hat die Mini-Wanderung Heinz Wonsack. Er sucht auch immer interessante Wege aus - entweder durch einen der Bremer Stadtparks oder durch einen besonders schönen Stadtteil.
Nach der Wanderung geht es mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum forum Kirche. Dort gibt es noch eine gemütliche Runde mit Kaffee, Tee und Keksen.